Kurztrip nach Nordfrankreich (Sept. 2004)

Kurztrip nach Nordfrankreich (Sept. 2004)

Nachdem meine Tochter, die im März diesen Jahres zur Welt kam, aus dem Gröbsten heraus war, nahm ich mir erstmals wieder ein paar Tage frei, um gemeinsam mit einem Freund ein paar frz. Höhlen unsicher zu machen. Der Trip sollte 4 Tage dauern und uns nach Nordfrankreich in´s Jura/Doubs/Haute-Saone Gebiet führen.
Ich startete Donnerstag gegen 4 Uhr in der Frühe u. beeilte mich, schnellstmöglich nach Marbach (nahe Stuttgart) zu kommen, wo mein Freund Ulrich Meyer bereits auf mich wartete. Gegen neun traf ich dort ein. Wir verstauten zügig Ulrich´s Gepäck in meinem Wagen u. hielten uns nicht lange auf, denn Zeit ist Tauchen!
Gegen 15Uhr waren wir an unserm ersten Ziel angelangt, der Source du Dessoubre. Diese Höhle erschien mir ideal als Einstieg und ich sollte Recht behalten. Mein Partner war seit gut 2 Jahren nicht mehr in Höhlen getaucht u. es kamen bei ihm einige Selbstzweifel auf, ob es denn noch funktioniere.
Da die Dessoubre sehr flach vom Profil her ist, entschieden wir uns für die kleinen Doppel-7 Geräte. Zusätzlich nahm ich eine 40Cbf-Flasche mit, die mir während des gesamten Tauchgang´s genug Gas spenden sollte. Das Doppel-7 diente nur als Bailout u. sollte später noch Verwendung finden. Wir stapften hinauf zum Eingang unter dem Plateau, krabbelten hinein u. fühlten uns auf Anhieb wieder vertraut mit dem Terrain. Der 1. Siphon im flachen Gang mit 5 – 7m Sicht war schnell überwunden. In der Auftauchstelle berieten wir uns kurz, dann ging´s weiter in den Fels hinein. Etwas über 100m später wurde der Gang größer u. unübersichtlich. Außerdem endete die Führungsleine abrupt. Der Gang trübte durch von der Decke rieselndes Sediment stark ein und wir entschieden, hier umzukehren. Nach 40 min. kehrten wir zurück an´s Tageslicht. Unsere Stimmung war sehr gut! Das Equipment wurde in´s Auto verladen, kleine Stärkung nach den Strapazen, dann machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Campground, denn es dämmerte bereits.
Unterwegs passierten wir eine uns bis dato unbekannte Höhle am Straßenrand. Kurzerhand entschied ich mich für einen Checktauchgang, um mehr über sie in Erfahrung zu bringen.
Mein Doppel-12 kam zum Einsatz. Das Abtauchen erfolgte durch eine mit großen Steinen gepflasterte Spalte, die rasch auf -6m hinabführte. Etwa 20m hinter dem Eingang stieg der Gang wieder an. Die Sicht hatte bisher kaum mehr als 2m betragen, doch in 3m Tiefe durchstieß ich eine Ebene, vergleichbar mit Haloclines. Darüber lag die Sicht nun bei wenigstens 4 – 5m. Die ganze Sache hatte etwas Gespenstisches. Einige Meter weiter endete der Siphon in einem halbtrockenen Raum, der am Boden mit scharfen Kanten völlig zerfurcht war. Flossen aus und drüber. 10m dahinter kam ein weiterer Siphon in Sicht. Flossen an und abgetaucht. Die Sicht hatte wiederum kaum mehr als 2m. Das sollte aber kein Problem darstellen, denn die Passage maß im Gangdurchmesser kaum mehr als 2 – 3m. Ca. 50m hinter dem lufterfüllten Raum bog die Passage scharf nach rechts ab, so als wollte sie mich zurück zum Ausgang führen. Ich tauchte noch gut 40m weiter, kehrte dann jedoch um, da mein Trocki irgendwo im Beinbereich ein Leck aufwies. Als ich im Eingang auftauchte, war es bereits stockfinster! Ulrich half mir aus meinen Sachen. Dann suchten wir uns schnell eine Übernachtung. Zelt aufgebaut, Campingkocher angeworfen, Trocki repariert und neben einem wohlschmeckenden Tütennudelessen noch ein paar Gedanken zum Erlebten ausgetauscht. Um elf fielen wir erschöpft in unsere Schlafsäcke.
Am nächsten Morgen kam Ulrich genau wie ich nicht so recht in Fahrt, denn draußen war es nebelig und lausig kalt. Erst als die Sonne den Nebel durchdrang und unsere Sachen anfingen zu trocknen, gaben wir uns einen Ruck, frühstückten noch ein wenig u. starteten dann, nur mit dem Equipment für die heutigen Aktivitäten bewaffnet, zu neuen Erlebnissen.
Das erste Ziel wurde dann gleich zum Reinfall. Der tiefblaue Quellteich der Source de Briseux sah sehr verlockend aus, doch in 6m Tiefe war der Eingang komplett verschüttet;-(
Nächster Halt: Resurgence de Fourbanne!
Diese Höhle liegt auf Privatbesitz und darf nur mit Genehmigng des Besitzers betaucht werden. Die bekamen wir dann völlig problemlos. Schnell angzogen und hinein in den wunderschönen Quellteich. Die Sicht lag bei 5 – 7m. 20m hinter dem Eingang endete die Hauptleine. ich befestigte ein Reel am Ende. Ein paar Meter weiter stießen wir auf den Rand eines großen Schachtes. Er verläuft fast senkrecht in die Tiefe u. endet in -24m! Am Schachtgrund sah ich die weiterführende Leine, band das Reel daran fest u. tauchte weiter. Die Passage wurde 50m weiter flacher. Dort kehrten wir um. Draußen war uns beiden die Begeisterung sichtlich anzumerken! Wir genossen erstmal das großartige Wetter bei einem ausgedehnten Menü u. überlegten, was mit dem Rest des Tages angestellt werden konnte.
Da die Zeit schon vorangeschritten war und der Abend nahte, kam nur noch ein Objekt in der Nähe gelegen in Betracht, die „Combe du Creux“. Wie hatten keine Ahnung, was uns erwarten würde, denn bei unserm letzten Besuch einige Jahre zuvor bedeckte ein riesiger schäumender und schmutzig aussehender Quellteich, welcher sich über sämtlich angrenzenden Wiesen ergoss, den Eingangsbereich.
Diesmal war das Wetter deutlich trockener. Nach Durchlaufen eines Waldstückes und des daran angrenzenden Maisfeldes standen wir vor dem Eingang, der sehr versprechend aussah. Sogar eine lange stählerne Leiter war im Hang eingebaut, was uns problemlos an den Boden brachte. Wir liefen schnell zurück zum Wagen, zogen uns um u. stapften, mit Doppel-7 bewaffnet, zurück zur Combe du Creux.
Der trockene Eingang erwies sich dann als sehr schmal! Irgendwie kamen wir durch bis zum kreisrunden Einstieg im Boden des Ganges. Es war nur Platz für einen Taucher darin, also schlüpfte ich als erster hinein, tauchte ab u. wartete auf meinen Partner. Die Sicht betrug wenigstens 10 – 12m! Ulrich kam u. wir begaben uns auf den Weg in´s Unbekannte. Nacheinander passierten wir 3 wunderschöne Schächte, welche uns jedesmal 5 – 10m tiefer hinabführten. Leider war 110m hinter dem Einstieg der Umkehrpunkt im großen Schacht erreicht. Dieser führt wenigstens weiter in eine Tiefe von -45m u. ist derzeit in der Erforschung.
Ehe wir das Auto erreichten, war es wieder dunkel;-( Und zum Zeltplatz dauerte die Fahrt auch nochmal gut 1h.
Samstag sollten die größeren Geräte zum Einsatz kommen! Es war geplant, einen Trimix-TG mit Doppel-18 in der Source de Gouron durchzuführen. Diese Quelle liegt unterhalb der Wasserlinie eines Flusses. Vom Einstieg bis zum Höhleneingang flösselten wir durch die leichte Strömung. Beim Abtauchen kam nach den großartigen Sichtverhältnissen der letzten Tage Ernüchterung auf. In der Höhle war die Sicht fast schlechter als im Fluss! Sie betrug keine 5m. Es ging rasch über eine Geröll- u. Kieselsteinpiste in die Tiefe. In knapp 40m Tiefe verflachte der Gang u. senkte sich langsamer ab. In -44m beschloss ich, umzukehren, denn irgendwie langweilte mich diese Höhle ein wenig. Also langsam aufgetaucht u. im Fluss bei der Sauerstoffdeko noch ein paar Forellen beobachtet.
Nachmittags ging´s zur Source de Lison, einer der größten Karstquellen Frankreichs! Leider auch ein ziemlicher Publikumsmagnet. Touristen werden Busse weise angekarrt. Leider kam noch größere Ernüchterung auf, da die Sichtweiten keine 3m betrugen in einer riesigen, nicht überschaubaren Passage. Und nach 100m war die Führungsleine gerissen;-( Großartig! Wo schwimmt man hin, wenn kaum eine Wand erkennbar ist?? Also raus, 250m zurück zum Parkplatz latschen u. völlig erschossen zusammenbrechen;-)
Nachdem der gesamte Kram im Auto lag, entschieden wir, gleich zu unserm letzten Ziel, der Frais Puits, zu fahren u. dort zu campen. Leider war es schon verdammt dunkel, als wir ankamen u. ich konnte mich partout nicht erinnern, wo die Höhle zu finden ist. Also schlugen wir auf einem Feld unser Zelt auf u. gingen zu Schlafsack.
Der nächste Morgen begann dann gleich mit einer negativen Überraschung: Es hatte nachts begonnen zu regnen;-(( Wir machten uns sogleich auf die Suche nach der Höhle u. fanden sie gut 1h später. Seit meinem letzten Besuch im April ´99 hatte sich Einiges verändert. Die Landstraße war einer Schnellstraße gewichen! Kein Wunder, dass ich nix wiedererkannte!
Beim Hinablaufen mit dem Doppel-12 merkte ich die Anstrengungen der letzten Tage deutlich. Zum Eingang gelangt man über einen abschüssigen Weg. Die letzten 20m geht´s über eine steile Kiespiste in einen kraterförmigen Erdeinbruch. Den Eingang bildet ein schmaler, wassererfüllter Spalt. Wir schlüpften vorsichtig hinein u. waren sofort freudig gestimmt, da die Frais Puits uns unsere Strapazen mit wenigstens 25m Sicht belohnte. Dieser TG war ein großartiger Abschluss unserer kleinen Reise. Leider sollte noch der Rückweg über die Kiespiste hinauf zum Auto auf uns warten. Ich war klatschnass, als mein Wagen in Sichtweite kam. Die Rückfahrt hatte dann Ähnlichkeit mit einem unendlich langgezogenen Gähnen;-)
Puuh, die nächste Tour dieser Art muss unbedingt einen Tag länger ausfallen, damit man zwischendurch mal die Beine baumeln lassen kann!

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