10 Tage in AVEYRON und ARDÉCHE

10 Tage in AVEYRON und ARDÉCHE

Sehr zeitig Samstag in der Frühe brachen Andi und ich in Richtung ARDÉCHE auf. Etwa 4h später quer über die Berge rollend erreichte der T4 Pont St. Esprit, am Beginn der großen Schlucht gelegen. In der Stadt war die Hölle los (Massen von Touristen), sodass wir etwas weiter abgelegen nach einer Unterkunft suchten.
Erstaunlicherweise fand sich innerhalb einer Stunde ein wunderschönes Häuslein für relativ wenig Geld.
Nach dem Entladen wollte ich noch einen Tauchgang in einer mir bis dato unbekannten Höhle, der Chabanne, machen. Sie zu finden sollte zu einer echten Herausforderung für uns und das Fahrzeug werden. Die uns vorliegende Beschreibung stimmte vorn und hinten nicht.
Nach etlichen Kilometern entlang steiler Abgründe und Interviews mit Eingeborenen fand sich sogar jemand, der die Höhle genau zu kennen schien. Mit einer detaillierten Beschreibung wagten wir, jetzt schon langsam der Abend hereinbrechend, einen erneuten Versuch. In einem wunderschön liegenden Canyon latschten wir gut 2h lang herum, ohne den Eingang der Quelle auch nur aus der Ferne zu Gesicht zu bekommen. Als es zu dunkel wurde, brachen wir leicht enttäuscht ab. Zumindest mal einen Tag Tauchfrei gehabt;-)
Für den folgenden Tag musste nun etwas her, was todsicher betauchbar wäre, die Source de Marnade. Ich hatte schon lange den Wunsch, mal bis zum schnell in die Tiefe fallenden Schacht am Ende des 3. Siphones zu scootern.
Am schmalen Quellaustritt angekommen bot sich uns leider ein Bild, das diese Hoffnungen begraben sollte. Es existierte wegen langer Trockenheit gar kein Quellteich. Somit fehlten gut 2m an Wassertiefe, was zur Folge hatte, dass die halbtrockenen Strecken zwischen den Siphonen schwer passierbar würden. Wir versuchten es trotzdem mit Scooter, aufgetopptem Doppel-12 und zwei Stages. Hinter dem engen Eingangsspalt nahm die Ganggröße rasch zu. Bei ca. 15m Sicht im teilweise 5x8m großen Gang, der schnell auf -30m abfiel, scooterte ich voran, vorbei an dunklen Wänden und Felssäulen. Die Leinenführung war mit zwei Hauptleinen teilweise etwas verwirrend. Nach etwa 400m erreichten wir das Ende des ersten Siphons. Die Scooter und benutzten Stages blieben an der Hauptleine, denn nun war Schluss mit Tauchen. Starke Lehmablagerungen am gesamten Boden reduzierten die Sicht beim Waten auf Null.
Rotbraune Lawinen umhüllten unsere tief in den Boden einsinkenden Beine. Zum Glück wurde es 10m weiter etwas trittfester und nach Überklettern einer Steinschwelle ging die Passage in den 2. Siphon über. Den 126m langen, 2-6m flachen Siphon durchtauchten wir entspannt in 5 Minuten. Die Sicht war im vorderen Bereich noch etwas besser als in S1. Zum Ende hin durchbrachen wir Nebelartige Schwaden, die ähnlich einer Halocline übereinander zu schweben schienen. Gespenstisch… Nach dem Auftauchen und einem kurzen Versuch, die kommende Strecke wiederum zu Fuß zurücklegen zu können, scheiterten wir anhand des nachgebenden Lehmbodens. Schade. Da ist man schon mal hier und dann geht nix mehr. Bei Null Sicht im rotbraunen Wasser ging es an der Leine zurück in klarere Gefilde. Zurück in S1 tastete ich erst einmal vergeblich nach Stage und Scooter. Absolut nichts mehr zu sehen. Der folgende Blindflug dauerte mehrere Minuten, bis die Scooter endlich wieder lossurren konnten. Abgesehen von den überall am Boden anzutreffenden Lehmbänken ist die Höhle richtig schön. Die gesamten Höhlenwände bestehen aus versteinerten Muschelablagerungen. Ein irrer Anblick, wenn man bedenkt, wie alt das Gestein bereits sein muss! Nach fast 2h verließen wir die Marnade.
Zurückblickend auf die Anstrengungen der letzten Tage bei teilweise schweißtreibenden Temperaturen wollte ich Andi mal eine Verschnaufpause gönnen. Da kam als Ziel nur Bourg St. Andeol in Frage, ein Örtchen mit gleich zwei nebeneinander liegenden wunderschönen Quellen in einem kleinen Park. Ranfahren, abladen, ins Wasser fallen und abtauchen. So war der Plan. Leider kam es etwas anders.
Wiederum hatte die Dürre der vergangenen Monate zugeschlagen und die Quellteiche verschwinden lassen. Das hatte nun zur Folge, dass unser erster Tauchgang in der Tannerie (eigentlich mit Scooter geplant aber vorsorglich im Wagen gelassen) nach rund 50m am trocken gefallenen Gang endete und ein Weiterkommen nur unter enormen Anstrengungen möglich gewesen wäre;-(
Also Doppel-12 und Stage zurück an den Wagen, anderes Doppel-12 mit 15/55 vorbereitet und nach einer Verschnaufpause mit neuem Setup in die Goul du Pont abgestiegen.
Andi´s eigens dafür geknotetes Steinseil erwies sich dabei als sehr nützlich. Der Einstieg war mit Müll übersät und das Wasser ziemlich trübe. Nach wenigen Metern kam ich an eine Engstelle. Dort wurde der O2 abgelegt. Bei knapp 2m Sicht folgten wir dem flachen Gang für 60m bis zum Beginn des Schachtes. Hier klarte das Wasser schlagartig auf. Kein Wunder, denn es wird direkt über dem Schacht mittels eines Rohres nach draußen gepumpt, um den vor der Höhle liegenden Bach zu speisen. Tolle Idee…
Andi tauchte vor mir ab bis auf 28m. Erst dort konnte die EAN50 Stage für die kommende Deko ab 21m eingehangen werden, ohne in die Tiefe zu rasseln. Wir wechselten auf die verbliebene Stage mit einem 15/55 und rauschten weiter in die Tiefe, nur unterbrochen von kurzen flacheren Gangstücken. Bei 65m zog ich die Reißleine. Mir genügte das für den heutigen Tag völlig. Auf dem Rückweg gab es nur sehr leichte Eintrübungen. Unglaublich, wie klar das Wasser war! Nach langsamem Aufstieg wechselten wir bei 21m auf das 50er.
und über die restlichen Stops bis zur Engstelle in 6m Tiefe. Dort hingen wir noch ein Weilchen ab, bevor es zurück ans Tageslicht ging. Dieses Erlebnis war schon ziemlich fein und so planten wir gleich, ein weiteres Mal hierher zu kommen.
Der folgende Tag sollte taucherisch etwas ruhiger gestaltet werden. Neben etwas Sightseeing über der Ardéche-Schlucht wollten wir zwei Quellen finden, die direkt am Fluss in der Schlucht entspringen.
Die erste, Source du Castor genannt, sollte mit ihrer Lage ein harter Brocken werden. Von einem der höchsten Punkte der Schlucht ging ich allein über 140 Höhenmeter einen steinigen Pfad hinab an den Fluss, um den Eingang zu finden und die GPS-Position zu bekommen. Andreas hatte der Anstrengung ein Bad in der Sonne vorgezogen. Wie clever das war, sollte ich 1 1/2h später erfahren, denn ich fand zwar die Höhle nach etwa 20 Minuten, doch dummerweise nahm ich einen anderen, vermeintlich kürzeren Weg, um den Hang wieder hinauf zu kommen. Was für ein Fehler. Einige Kanufahrer auf dem Fluss schauten recht ungläubig drein, als sie mich durch die Büsche klettern sahen. Irgendwann fand ich einen Weg, direkt über einen in der Wand liegenden, geschlossenen Campingplatz führend. Welcher Irre würde denn hier hinunter latschen? Oh, ääh, naja…also weiter im Text.
Nach meiner Ankunft an Andi´s Sonnenplatz und dem Verzehr eines Liters Wasser brachen wir auf zur Source de L´Ecluse, welche einige km entfernt liegen sollte. Glücklicherweise konnte das Fahrzeug uns diesmal bis fast an den Eingang bringen, welcher direkt auf dem Gelände eines weiteren Campgrounds liegt. Der nette Betreiber zeigte uns sogar die Position. Für den Checktauchgang kam nur das Doppel-7 mit einer Stage in Frage. Im Nassanzug mit Gerät vorbei an irritierten Sonnenbadern kletterten wir in den zuerst halbtrockenen, flachen Gang.
Ich fand die Leine und tauchte voraus. Mein erster Gedanke hatte etwas mit brauner, übel riechender Masse zu tun. So eine miese Sicht hatte ich während des ganzen Trips noch nicht erlebt, mal abgesehen von diversen Sedimentaufwirbelungen. Das änderte sich auch auf den folgenden 80m nicht. Die dunklen Wände verschluckten das Licht unserer Lampen regelrecht und die Leine sah aus, als wäre seit 15 Jahren niemand mehr hier getaucht. In einer Luftglocke entschieden wir uns, zurück zu tauchen, denn ein weiterer Vorstoß war sinnlos.
Bei einer kühlen Erfrischung und einem Talk mit dem Z-Besitzer erholten Andi und ich uns von den Strapazen.
Am letzten Tag ging es dann nochmal zur Goul du Pont. Dort trafen wir auf 3 Feuerwehrtaucher der Höhlenrettung, die mit einem Doppel-7 allen Ernstes einen 60m Tauchgang absolvierten! Natürlich mit Luft, versteht sich. Und zumindest der letzte solotauchende war dort unten, anhand der Eintrübungen bei unserm späteren Abstieg deutlich erkennbar. Unsere geplante Zieltiefe lag bei 80m. Da die Trimixstages aufgebraucht waren, nahmen wir ein schwaches Nitrox zum Abtauchen. Unterwegs wurden wieder zwei Stages für die Deko abgelegt. In 35m Tiefe bei leicht versilteten aber noch immer fantastischen Verhältnissen wechselten wir auf das Rückengerät mit dem TMX15/55. Ich tauchte weiter voran, bis die Sicht bei knapp 60m wieder richtig klar wurde. In 65m folgte ich dem kurzen, waagerechten Gangstück bis zum nächsten Schachtabsatz. Ich sauste hinab bis auf die nächste Stufe bei 73m. Einige Meter weiter verzweigte die Passage sich. Vor mir fiel ein kleiner Absatz nochmals 6-8m abwärts, der Hauptgang jedoch verlief 15-20m geradeaus, um dann erneut steil in die Tiefe zu fallen. Bei 75m war das Limit unseres Rückengerätes erreicht. Ärgerlich, dass wir unsere Doppel-18 daheim gelassen hatten. Ich sah mich noch einige Minuten im Gang um und begann dann mit Andi einvernehmlich den langen Aufstieg.
Bei 80% der Maximaltiefe begannen die Deepstops, welche alle 3 Meter bis auf 21m durchgeführt wurden. Dort wechselten wir auf das EAN50, verharrten 5min. in dieser Tiefe und stiegen dann weiter langsam auf. Unterwegs bewunderten wir Kristallansammlungen in einigen Ecken des Schachtes. Auf 6m noch 20min. O2 + weitere 5min. bis zum Auftauchen. Ein wirklich toller Abschluss unseres Aufenthaltes. Abends musste erneut der T4 für die Rückreise präpariert werden. Ich hatte die Idee gehabt, am folgenden Morgen sehr zeitig zu starten und dann gen Mittag im JURA in Nordfrankreich mit Übernachtung noch einen kleinen Tauchgang in einer der dort unzähligen Höhlen zu machen. Leider begann es kurz nach Abreise zu regnen und verstärkte sich nach Norden immer mehr. Als wir dann an unserer Wunschhöhle ankamen, ging da gar nix mehr. Gegen 15Uhr fuhren wir dann direkt nach Berlin, wo wir um 1.40Uhr eintrafen. Im Halbschlaf innerhalb von 35min. Andi´s Kram entladen und meinen Kram wieder rein. Dann nochmal 30min Fahrt, bis ich endlich daheim war. Oh, ich liebe mein Bett ja sooo…

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