14 Tage LOT / DORDOGNE (Juli ´08)

14 Tage LOT / DORDOGNE (Juli ´08)

Oje, war das wirklich schon wieder 9 Monate her seit meinem letzten Besuch in Frankreich? Anscheinend schon, denn es juckte mächtig in den Flossen…
Also flugs ein paar Sachen gepackt (irgendwie ist Andis T4 etwas geschrumpft, denn da passte plötzlich nicht mehr alles rein?! Waren doch nur 4 Scooter, 4 x Doppel-18, 2 x Doppel-12, 2 x Doppel-7, 22 Stages, Kompressor und Kleingedöns. Tsss…)
und ab ging´s gen Süden mit den üblichen Verdächtigen.
Mit einer Übernachtung auf irgend einem Rastplatz in Frankreich kam der lange Treck 26h später am Ziel, einem niedlichen Bauernhof oberhalb Cajarc´s gelegen, an. Die Besitzer bereiteten uns einen warmen Empfang im komplett eingerichteten Ferienhaus (ehemals alter Stall).
Nach Ausladen und Entspannen wurde für einen Checktauchgang die Emergence Du Ressel angefahren. Die Bedingungen waren aufgrund vorangegangener lang anhaltender Regenfälle mit 8 – 12m nicht wirklich ideal für diese Höhle aber zum Reinschnuppern langte das völlig.
Am kommenden Tag noch mit deutlichen Spuren der Anreise versehen beschlossen wir einen Tauchversuch in der Saut de la Mounine (Ressel II) zu unternehmen. Bis an den Fluss LOT fahren, hinein laufen, zum gegenüberliegenden Ufer scootern und abtauchen. Alles ganz entspannt. Die Sicht im Innern betrug 5-7m. Nach 230m fiel die Passage relativ schnell von anfangs -2 auf -45m ab. Hinter der tiefsten Stelle stieg der Gang um mehrere Meter an.
Kurz vor dem Ende der Leine gab ich das Zeichen zur Umkehr. Auf 21m wurde die abgelegte Stage mit dem EAN50 aufgenommen. Unterwegs erkundeten wir einen Loop, an dessen Leinenbeginn ein Schnuller hing.
Sie trägt jetzt den Namen Schnullerpassage;-) Bei 6m kam der Wechsel auf den Sauerstoff, der dann auch zum Austauchen aus der flachen Anfangspassage diente. Nach 111min. hatte das heisse Tageslicht uns wieder.
Einen Tag später trafen wir an der Fontaine de St. Georges auf Tom Karch, der die Region mittlerweile als sein zweites Zuhause bezeichnen kann, denn er hält sich jedes Jahr mehrere Monate dort auf, um GUE-Kurse abzuhalten. So auch an diesem Tage mit einem Rudel Kaaskoppen. Als dann auch noch die Tschechen von der Molnar Janos Cave aus Budapest anrückten, kochte der ohnehin schon mit wenig Wasser gefüllte Quellteich. Wir beeilten uns, vor allen anderen abzutauchen. Es gelang und bewaffnet mit Doppel-12, 2 x 80Cbf Stages, je zwei Scootern und O2 auf 6m begann der Abstieg im engen Eingangsspalt. Nach 400m passierten wir die große lufterfüllte Halle, um uns im Anschluss durch die Engstelle hinein in S2 zu zwängen. Etliche Tiefenwechsel mit häufigem Druckausgleich auf den folgenden 300m bewogen uns dann zur Umkehr, obwohl die Stages ihren Umkehrdruck noch nicht erreicht hatten.
Zurück unterhalb der Halle schwamm Andi links neben mir. Ich wollte mich gerade nach seinem Befinden erkundigen, als weiter links vor uns ein (kein Quatsch) kapitaler Karpfen (schätzungsweise 10-12kg) Kurs auf uns nahm. Mir sind ja schon einige Fische (selbst Goldfische) mehrere hundert Meter weit in Höhlen entgegen gekommen aber der Kerl schlug alles bisher Dagewesene! Tom Karch bestätigte uns wenig später, den Prachtburschen schon vor 3 Jahren an derselben Stelle gesehen zu haben. Wovon lebt der da bloß? Von verschollenen Touris?;-))
Allabendlich nach der Rückkehr zur Homebase dann dasselbe Bild. Druck messen, Überströmen, Kompressor knattern lassen, Abendessen, ins Bett fallen. Morgens analysieren, Frühstück, einladen und Go, go, go…
Das Licht meiner Hauptlampe begann plötzlich gelblich und flackernd zu werden. Bei näherer Untersuchung des Lampenkopfes entdeckte ich Wasser im Testtube. Nach kurzer Absprache begannen wir den Wiederaufstieg über mehrere Decostopps ans Tageslicht. Unterwegs stieg ich auf eine Backuplampe um. Zurück am Fahrzeug kam mir dann beim Öffnen des Akkutanks eine Menge Wasser entgegen. Nun erinnerte ich mich an ein Geräusch während des Abtauchens bei etwa -60m, so als ob etwas wegfliegt. Ein O-Ring vermutlich;-(
Beruhigend, eine Ersatzhauptlampe mit eingepackt zu haben, denn beschriebener Gegenstand war erstmal Schrott!
Zwei Tage später wollte ich der St Sauveur nach Jahren endlich mal wieder einen Besuch abstatten. Für meinen Freund war sie komplettes Neuland. Umso erstaunlicher, dass sich diese Höhle in den kommenden Tagen zu unserer Lieblingshöhle entwickeln sollte. Mit Doppel-12 (18/45), einer Stage 15/55, EAN50 und O2 begaben wir uns in den leicht trüben Quellteich. Die Sicht betrug im Flachbereich um die 10m, wurde aber ab -50m noch etwas besser. Anfangs schwebte Andi vorraus durch eine Engstelle bei -25m, dann hinweg über die erst leicht, dann immer rascher abfallende, beachtliche Passage in die Tiefe. Bei -50m wechselte ich unter Andi´s Argusaugen auf die Bottomstage, er machte es mir gleich. Wir setzten den Abstieg fort bis der vorläufig tiefste Punkt des Ganges in -65m erreicht war.
Einige Tage später kamen wir mit größerem Besteck zurück. Doppel-18 (TMX 15/55), 80Cbf (15/55), 80Cbf (21/35), 80Cbf (EAN50) und eine 40Cbf mit Sauerstoff) + jeweils 2 Scooter. Um der Mittagshitze zu entgehen, hieß es 6Uhr aufstehen. Das Setup bzw. Anlegen der Ausrüstung im Wasser nahm viel Zeit in Anspruch. Erst nach dem Abtauchen setzte die Entspannung bei mir ein. Mit der 21/35 Stage travelten wir bis in 50m Tiefe. Dort erfolgte der Gaswechsel auf die Bottomstage und die Scooter surrten los.
Der Gang fiel nun auf den folgenden 50m noch einmal ab bis -72m, hob sich dahinter einige Meter an und verblieb dann auf etwa 65m. Der Tunnel war atemberaubend. Sediment fand sich nur in den Ecken des teils kurvigen Ganges. Der Fels wies wunderschöne Auswaschungen auf und die Sicht schien immer besser zu werden. Die Führungsleine schlängelte sich wie plattgedrückt unter uns am Boden entlang. Nach kurzer Fahrt kam eine weitere Leine hinzu, die die Sache leicht unübersichtlich werden liess. Mehrere Minuten später öffnete der Gang sich nach links. Der Abzweig zur Verzweigung der Passage war erreicht. Ich schaute aufs Fini der Stage. Das zeigte noch 130Bar an. Also umkehren, da das Rückengerät nur als Backup dienen sollte. Im Nachhinein sagten wir uns, da wäre noch mehr gegangen. Wenn man schon mal hier unten ist. Aber wie heißt es so schön: Plane the Dive and dive the Plan.
Es ist schon erstaunlich, wie schnell so eine Stage in diesen Tiefen zur Neige geht. Zurück auf -50m (die Bottomstage war fast leer) wechselte ich zurück auf die dort abgelegte Stage mit dem 21/35.
Nach etlichen Deepstopps und Zeitvertreib mit Fotos schiessen auf 25m verweilend war dann auch diese Stage leer. Ich mußte kurz aufs Rückengerät mit dem dickeren Gas wechseln, mich durch die Engstelle zwängen und den Regler der Stage bei 21m rausziehen, um die Deco noch relativ sauber durchzuziehen. Kein großes Problem aber es zeigte mir doch recht deutlich, was passieren kann, wenn man sich verzettelt. Gut 2 1/2h später trieb mein Tauchpartner neben mir an der Oberfläche des schönen Quellteiches. Aaah, die Höhle ist für den nächsten Trip mit einem fetten Kreuz versehen.
Nach so einem Schnullertauchgang (harrharrharr) mit wenig Anstrengung wollten wirs dann aber mal richtig krachen lassen und riggten am Abend um auf Doppel-7 mit Wetsuit. Ja, ja, lacht nur…
Andi lachte einen Tag nach dem Besuch der Resurgence de Crégols nur noch ganz, ganz selten. Er konnte seine Arme wegen Überdehnung nicht mehr bewegen und nahm sich eine Auszeit. Und ausgemachter Übeltäter dafür war die Auf-Abseil-Kletterstrecke zwischen S1 und S2.
Ein kleiner, flacher Höhleneingang zeigt sich uns beim Hinabsteigen zur Crégols. Wenig Wasser fließt heraus, sodass die Engstelle 10m weiter drinnen nur wenige Zentimeter mit Wasser bedeckt ist.
Ich versuche als Erster hindurchzugleiten. Mit einiger Mühe gelingt es. Dahinter drehe ich mich zurück zu Andi und lasse mir die Kameraausrüstung reichen.
Ich tauche ab und mein Freund folgt mir. Das Wasser ist kristallklar. Der Leine folgend vorbei an einem Jump, welcher zu einem weiteren unpassierbaren Ausgang führt, erreichen wir nach kurzer Tauchstrecke die Auftauchstelle. Über uns hängt ein Seil. Es verschwindet zwischen riesigen Felsblöcken die aussehen, als wären sie nur zu dem Zweck dahin gepackt worden, zwei Trottel wie uns zu zermalmen. Ich versuche mein Glück, lege die Flossen ab und steige zwischen den Felsen mich am Seil hochziehend hinauf.
Fast oben angekommen verliert mein linker Fuß den Halt und ich rutsche hilflos hinab zum Ausgangspunkt. Bilder von zerschmetterten, verdrehten Knochen schwirren durch mein Gehirn. Was mache ich hier eigentlich? Ach ja, Spass haben! Also das Gerät abgelegt und erneut nach oben. Geht ja viel leichter;-)
Oben sondiere ich das Gelände, klettere zwischen weiteren aufgetürmten Brocken hinein in eine langgezogene Halle. Ein Bach kommt von links und verschwindet rechts von mir unter Gestein. An der Decke finden sich Tropfsteine. Ich folge dem Bach über immer leichter begehbaren Boden und erreiche nach 60-80m endlich den Beginn des zweiten Siphons. Schnell zum kleinen Schacht zurück. Andi ruft nach oben, wie es aussieht. Ich erwidere ´Alles easy. Kein Problem.´ um ihn zu beruhigen. Er bindet ein Doppel-7 am mitgebrachten Seil fest und ich beginne, es hochzuziehen. Seltsam, auf dem Rücken ist es irgendwie leichter. Andi stützt die ganze Sache von unten. Oje, ich bin jetzt schon fertig und muß noch ein Gerät hochziehen;-(
Na erstmal die Flossen und Kamera. Als alles oben ist inclusive Andi, schaut der etwas verschreckt über die nun noch vor uns liegende Strecke. „Alles easy, ja???“ sagt er. Ich keuche sichtlich vor Erschöpfung und entgegne trocken: „Ja, wieso, gibt´s ein Problem?“
Also die Tauchgeräte über weitere Brocken und Spalten bugsiert, dann angelegt und zum Bach getorkelt.
Ich sehne mich nach kühlem Nass und einigen Schlucken Wasser. Vorsichtig überwinden wir gemeinsam die letzten 50m, ziehen die Flossen an und plumpsen ins Wasser. Pause.
Nach einigen Minuten stecken wir den Kopf unter Wasser und wollen abtauchen. Zeitgleich kommen die Köpfe wieder raus und wir schauen uns ungläubig an. Direkt unter uns beginnt ein riesiger Schacht, dessen Ausmaße den in der Ressel noch deutlich übersteigen! Das Wasser ist glasklar. Ich kann bis zum Grund in -20m Tiefe schauen. Andi taucht ab und ich sehe ihn hinabsegeln. Langsam folge ich ihm und lasse mich in den Bann dieser faszinierenden Unterwasserwelt ziehen.
Am Schachtgrund führt die nun weit ausladende, flacher werdende Passage schnell über eine breite, helle Kieshalde abermals hinab in die Tiefe. Langsam tauchen wir weiter ab und saugen die Eindrücke in uns auf. In -35m stoppen wir, checken die Finimeter und entscheiden uns für den langsamen Wiederaufstieg. Die Passage fällt hinter uns weiter ab.
Zurück am Schachtbeginn entdecken wir eine Seitenpassage mit einem kleinen ausgewaschenen Raum. In einer Ecke geht die Leine noch mehrere Meter in einen dann zu eng werdenden Gang hinein.
Beim Auftauchen erst entdecken wir die ganze Schönheit des Schachtes. Das ausgewaschene Gestein ähnelt an einer Stelle einer riesigen Kathedrale. Komisch der Gedanke, dass wir uns gerade direkt unter der Kirche des Ortes Crégols befinden.
Es hilft nichts, unser Gasvorrat neigt sich dem Ende zu und das Auftauchen fällt doch recht schwer. Vergessen sind all die Anstrengungen, um hierher zu kommen. Andi plappert an der Oberfläche drauf los und ich stimme mit ein. Nach einigen Minuten merke ich, dass es jetzt ziemlich frisch im Anzug geworden ist. Raus aus dem Wasser und zurück zum Kletterparcours. Als Held muß man natürlich mitsamt Gerät am Seil hinab gleiten. Dabei überdehnt mein Partner sich dann die Gelenke;-(((
3 1/2h später rutschen wir auf dem Bauch aus dem flachen Eingang, von dem man sich nicht die Bohne vorstellen kann, welch gewaltige Passage dahinter verborgen liegt.

Da der gute Andi sich für den nächsten Tag seine Wunden leckte und ich nicht untätig herumsitzen wollte, besuchte ich die Emergence de Bons.
Ein bißchen Kletterei bergauf zu einem Nebeneingang (der Ausfluss ist verstürzt) und in der Höhle dann etliche Höhenmeter am Seil wieder hinab zum Bachbett.
Nach links kommt man über den sehr kurzen ersten Siphon in eine schöne Halle, wo mehrere Meter über dem Boden die Fortsetzung zu S2 erkennbar ist. Leider geht da ohne Leiter nix.
Also zurück zum Ausgangspunkt und über kleine Wasserfälle und Stufen hinein in S1b, welcher zum verstürzten Ausfluss führt. Das Wasser ist wieder sehr klar und der Gang wunderschön geformt. An der tiefsten Stelle in -8m entdecke ich einen Salamander mit schwarz-gelber Zeichnung. Ich beobachte ihn einige Minuten und stelle dann fest, von einem weiteren, etwas größeren Exemplar selbst in Augenschein genommen worden zu sein. Und die scheinen sich hier richtig wohl zu fühlen. Als mich dann ein Blutegel von der Decke her attackiert, fühle ich mich plötzlich wie in einem schlecht gemachten Horrorfilm, wo das Opfer (ICH) von allen Seiten von niedlich aussehenden Kreaturen eingekesselt wird um dann…naja, genug davon.

Zum Glück ist mein !Buddy! 24h später wieder einsatzbereit und wir peilen die Cabouy an. Leider muß ich dann beim Setup feststellen, dass zwei unserer Stages nicht aufgetoppt worden sind, was die Tauchgangsplanung über den Haufen wirft. Muß wohl an der Hitze gelegen haben, der Pastix schmeckte ja ausgezeichnet und war demzufolge nicht verdorben;-))
Eigentlich sollte es mit je 2 Scootern noch ein gutes Stück an der Poumeyssen vorbei gehen. Leider wurde daraus nun nichts, sodass uns lediglich die Traverse von Cabouy nach Poumeyssen gelang. Das aber immerhin mit nur einer Stage, wenn man jetzt mal die Deco außen vor lässt.
Die Sicht war wenig berauschend mit um die 5m und der Quellteich bestand nur noch aus einer ekligen grünen Pfütze mit Tausenden von Minifröschen und Blutekeln;-(
Hinzu kamen ein paar verrückte Kreiseltaucher, die schon über Wasser mit ihrer Ausrüstung nicht klar kamen und von denen der eine doch allen Ernstes mit so einer SEADOO-Schwimmbad-Scooter-Gurke ins Wasser ging!!! Sachen gibt´s…
Nach soviel Getauche und allabendlichem Flaschengefülle bei teilweise unerträglicher Hitze ging dann am vorletzten Tag nix mehr. Das Equipment wurde für die Rückreise verstaut und abends nochmal nett in Cajarc Essen gegangen.

Vorher gab es noch einen Besuch bei René Aguillon, einem Freund und Nachbarn unserer Vermieter. Dieser Mann übte eine große Faszination auf uns aus. Mit seinen 79 Jahren lernte er gerade die 4. Fremdsprache!
Und in seiner Freizeit entstehen kleine Meisterwerke aus Holz wie das aktuelle Projekt, ein alter Raddampfer namens „Zürich“.
Da fiel der Abschied uns schon verdammt schwer.
Die letzte Nacht verstrich wie im Fluge. Im Morgengrauen verabschiedeten wir uns von unseren herzlichen Gastgebern Jackie und Sylvie Vinghe, bestiegen dann den Lastesel und machten uns auf den Weg gen Heimat,
nicht ohne unterwegs nochmal einen Versuch zu starten, die Meyraguet zu finden und wenn möglich, zu betauchen. In den letzten Jahren waren mehrere Anläufe kläglichst gescheitert, da der Eingang 250m flussauf liegt und nur im Wasser des Dordogne-Flusses watend bzw. schwimmend zu erreichen ist. Das sollte dann aber nochmal eine ziemliche Action werden!
Doppel-7 und Wetsuit kamen letztmalig zum Einsatz. Ich zog mich etwas zügiger an, lief an den Fluss, deponierte dort das Doppelgerät und schlenderte nur mit Flossen bewaffnet in Richtung vermutetem Eingang. Obwohl relativ wenig Wasser im Fluss schien, hatte ich teilweise erhebliche Mühe, die tiefer werdenden Stellen zu passieren. Vorbei an mehreren Grundstücken direkt in der Felswand arbeitete ich mich Meter für Meter vorwärts. Kurz vor der Aufgabe sah ich klares Wasser aus einem mehrere Meter großen Eingang fließen. Das erste Ziel war erreicht. Endlich gefunden!
Die folgenden 80m im wunderschön ausgewaschenen Gang bis zum Anfang des Siphones waren ein Klacks. Ich kehrte um und verließ den Eingang, als in diesem Moment zwei Kajaks mit drei Deutschen (die trifft man aber auch überall) auf mich zufuhren.
Wir kamen ins Gespräch und plötzlich traf es mich wie ein Blitz, was den Weg zur Höhle anging, denn ranlaufen schien unmöglich! Ich ließ mich zurücktreiben und fand Andi in einem Ruderboot sitzend mit den drei Studenten aus Marburg vor. Mein Plan sollte eigentlich ganz simpel sein.
Erste Option: Die Kajaks ziehen uns im Schlepptau bis zum Eingang! Scheiterte relativ schnell. Strömung zu stark oder Studies zu schwach;-(
Zweite Option: Sie ziehen uns auf die andere, flache Seite des Flusses, wir latschen zu Fuss bis oberhalb des Einganges und schwimmen dann den Fluss abermals querend zurück an die Felswand.
Rüberziehen mit Flossenantrieb klappte auch recht gut und unsere neuen, voller Tatendrang steckenden, endlich ein Ziel vor Augen habenden Bekannten wollten uns am Ende sogar nochmal zurückziehen.
Fein, dachte ich mir. Also liefen Andi und ich los über die mit etlichen Kuhfladen garnierte Wiese eines Bauern bis in verflixt Dornröschenartiges, widerspenstiges Gestrüpp. Der Weg zurück ans Ufer gestaltete sich dann sehr schwierig und als es uns nach mehreren Anläufen endlich gelungen war, hatte der Erschöpfungsgrad bereits erheblichen Raumgewinn zu verbuchen!
Das letzte Stück hinüber ging dann fast problemlos vonstatten und irgendwann saß ich vor dem Eingang und kompensierte meinen extremen Flüssigkeitsverlust mit mehreren Schlucken kühlen Quellwassers.
Kurz ein DICKES FETTES DANKESCHÖN an die drei tapferen unbekannten Kanuten (Vielleicht meldet ihr euch ja nochmal?! Allein wären wir sicherlich ein weiteres Mal gescheitert.).
Nach einer kurzen Pause liefen wir das letzte Stück bis zum Siphon und tauchten zügig ab. Die Führungsleine war auf dem ersten Stück abgerissen. Der komplette Höhlenboden barg eine dicke Sedimentschicht und auch an der Decke lösten sich sofort nach Berührung mit den Ausatemblasen dicke Wölkchen. Hier hatte schon lange niemand mehr getaucht. Auch die Hauptleine sah wenig vertrauenserweckend aus. S1 lag schnell hinter uns. In der Luftglocke dahinter sahen wir direkt über uns traumhafte Tropfsteingebilde. Traurigerweise fanden 2003 zwei Schweizer Taucher an dieser Stelle den Tod, als sie ohne Atemregler die eingeschlossene, stark CO2-haltige Luft atmeten.
Weiter der Leine folgend kam vor uns ein spinnenartiges ´T´ ins Blickfeld. Ich tauchte vorsichtig nach links in eine zum Hauptgang parallel verlaufende sehr enge Nebenpassage und kehrte kurz vor dem Ende um, da große Sedimentwolken von oben herab die Sicht auf Andi trübten.
Der Hauptgang fiel nun über mehrere Absätze in die Tiefe. Nach 100m Strecke in 30m Tiefe signalisierten wir uns ´Rückmarsch´.
Die Sicht betrug nun trotz Sedimentregen meist noch immer mehrere Meter. Schon beeindruckend, wie düster das Ganze auf uns wirkte. 40 min. später lagen die Helden voller Euphorie zurücktreibend im warmen Fluss.
Nach einer Stärkung und der Verladung des nassen Tauchbestecks ging es, die Uhr zeigte bereits 16Uhr an, auf die letzten 1500km.
Achtzehn Stunden später noch die Ausrüstung aus- und in mein Fahrzeug umladen erforderte schon einige Motivation und eigentlich hätte ich jetzt 3 Tage durchschlafen können aber die Realität sah natürlich ganz anders aus;-)

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