Südfrankreich Sept.´99

Südfrankreich Sept.´99

Etwa ein Jahr nach meiner ersten Erfahrung mit einer kroatischen Höhle und zwei Kurztrips nach Nordfrankreich ergab sich die Möglichkeit, zusammen mit meinem Freund Ulrich Meyer erstmals das LOT/DORDOGNE-Gebiet im Süden Frankreichs zu betauchen. Ulrich lebte und arbeitete gerade für ein halbes Jahr in Toulouse. Er konnte sich zwar nur an den Wochenenden frei machen, aber bei höchstens 2h Fahrt von dort aus natürlich allemal lohnenswert für ein Treffen.
Am 17. ging´s in den Abendstunden Richtung München. Ich nächtigte auf halber Strecke bei Verwandten, um dann ausgeschlafen in aller Frühe den Rest der Strecke zurückzulegen. In München kam Anke hinzu, eine mittlerweile gute Freundin, die ich in Kroatien kennengelernt hatte. Sie taucht zwar nicht in Höhlen, ist aber sonst sehr interessiert an spannungsreichen Erlebnissen.
Um elf setzten wir unsere Fahrt fort und kamen erst gegen 3Uhr in der Früh auf dem Campground in St. Sulpice an. Dort wollte am Morgen Ulrich zu uns stoßen.
Der war dann auch schon sehr zeitig vor Ort u. legte sich auf seiner Isomatte vor´s Zelt, bis wir einigermaßen ausgeschlafen hatten. Die Freude über unser Wiedersehen war groß und nach einem ausgiebigen Frühstück machten wir uns bewaffnet mit dem englischen Höhlenführer von Andrew Ward auf die Suche nach der ersten Quelle.
Es handelte sich um die „Exurgence du Bial“, welche nur wenige Kilometer entfernt liegen sollte. Sie fand sich auch nach gut 20 min. und sah mit ihrem klaren Wasser sehr vielversprechend aus. Da der Eingang relativ flach aussah, entschieden wir uns für die kleinen Doppel-7 Geräte. Beim Hineingleiten trübte das Wasser schlagartig ein und nahm uns die Sicht. Erst versuchte ich rückwärts in die Höhle zu gelangen, dann mein Partner. Es sollte uns nicht gelingen. Ein Jahr später erst erkannte ich den Grund für unser sinnloses Unterfangen. Der Eingang war von nachgerutschtem Gestein völlig verschüttet. Überhaupt wäre ein Durchtauchen des Einganges auch ohne dieses Hindernis nur mit abgelegten Flaschen möglich gewesen!
Völlig deprimiert fuhren wir zur Ressel und hofften auf mehr Erfolg. Der wurde uns gegeben. Anhand der ausführlichen Beschreibung Andrew Ward´s fand ich den Eingang im Fluss problemlos. Für Anke hatte ich eine Monoflaschenausrüstung mitgenommen, damit sie sich ein wenig in den Eingangsbereichen der Höhlen die Zeit vertreiben konnte.
Nach dem Abtauchen verbesserte sich die Sicht sehr schnell. In der Höhle hatten wir wenigstens 15m! Ich habe diesen Tauchgang noch heut als sehr aufregend und von Eindrücken erschlagend in Erinnerung aufgrund der Größe und Schönheit dieses Systems! Riesige aus der Decke herausgebrochene Felsplatten säumten unseren Weg. Nach 90m wurde es kurz enger, dahinter vergrößerte sich die Passage weiter und zog sich langsam tiefer hinab. Nach ca. 200m kehrten wir um. Das reichte uns zur Einstimmung. Mein Freund fuhr leider kurz danach zurück nach Toulouse, weil er Montag wieder arbeiten mußte. Die kommenden fünf Tage waren Anke und ich also allein auf uns gestellt.
Für den nächsten Tag plante ich einen Besuch der Landenouze. Die Suche dauerte ein Weilchen. Besagte Quelle liegt direkt neben einer Landstraße. Der Eingang ist von einer Mauer gefaßt und der Wasserspiegel liegt 4 m unterhalb der Oberkante. Ins Wasser kommt man über eine nicht gerade Vertrauen erweckende, mit alten zerschlissenen Seilen befestigte Eisenleiter.
Oh Mann, soviel Spannung hatte ich gar nicht bestellt!
Nach einigen Strapazen schwamm ich endlich im Wasser. Anke half mir beim Hinabklettern und Reichen der restlichen Ausrüstung. Ich begann meinen Tauchgang durch einen schmalen Eingang hindurch in die dahinterliegende Passage. In -15m öffnete sich der Gang auf einen Größe von 3 x 5m. Die Sicht betrug lediglich 5 – 7m. Nach kurzem bedeckte dünenartiger Sand den Höhlenboden. Der Gang schlängelte sich mit ständigen Richtungswechseln in 15 – 18m Tiefe dahin. Na etwa 250m stieg der Gang plötzlich in einem senkrechten Schacht nach oben. Hier beschloss ich, umzukehren.
Leider hatte ich keine Möglichkeit, meine Flaschen irgendwo auffüllen zu lassen, so dass die Gase in einem Doppel-10, Doppel-7, einer weiteren 7l-Flasche und mehreren 4l-Flaschen bis zur Rückkehr Ulrich´s am Freitag für meine Exkursionen genügen mußten. Er brachte dann immer einen kleinen Leih-Kompressor mit. Daher hielten sich Tauchzeiten und Distanzen auch in Grenzen u. wurden zum Wochenende hin immer kürzer;-(
Einen Tag später beäugte ich die Trou Madame mit ihren fantastischen Sichtweiten und ihrem wunderschön ausgewaschenen Gang. Aufgrund ihrer moderaten Tiefe von max. 4 m konnte ich mit meinem Doppel-7 knapp 400m weit vordringen, bevor die Drittelregel mich zwang, umzukehren. Anke durfte auch mal wieder ins Wasser und auf den ersten Metern von S1 die Schönheit der Höhle in sich aufnehmen.
Es folgte ein Tauchgang in der St. Georges, den ich aber wegen Problemen im linken Ohr nach 50m abbrechen mußte. Die Sicht war sowieso nicht so berauschend mit max. 2 – 4 m. In der verbleibenden freien Zeit genossen wir die wunderschöne Karstlandschaft mit ihren freundlichen Bewohnern und besuchten einige Touri-Attraktionen wie die Stadt St Circ Lapopie am Zusammenfluss der Flüsse „Céle“ und „Lot“.
Donnerstag war dann wohl einer der Tage, die mich dazu bewogen, dieses Hobby zukünftig weiter auszubauen. Wir suchten zuerst die „Source du Moulin de Cacrey“, die sich als fast unauffindbar erwies. Erst nach mehreren Stunden wurden wir fündig. Sie liegt auf einem malerischen Grundstück mit einem alten Gebäude, welches früher einmal eine Mühle gewesen ist. Das Haus schien unbewohnt. Also die Gelegenheit genutzt und die Ausrüstung ausgeladen. Der Weg verlief vorbei am Hauseingang über einen schmalen, glitschigen Balken auf ein kleines Wehr, über das die Cacrey entwässert. Der Quellteich sah sehr klar aus, war jedoch über und über mit Algen versehen. Ich stieß einen Haufen besiseite u. sprang schnell hinein, bevor sich das Loch wieder schloss. Beim Abtauchen öffneten sich vor mir 2 Eingänge. Der linke war recht schmal u. nur mit abgelegtem Gerät passierbar, der rechte aber, goß genug. Ich tauchte hinein u. fand mich in einem Kanonenrohrförmigen Gang wieder. Die Sicht betrug wenigstens 10 – 12m. Nach 30m kam ich an einen senkrecht abfallenden Schacht. Er war 10m tief und endete in -18m. Ein Stück nach links tauchend kam der andere Ausgang in Sicht. Ich folgte der Hauptpassage, die mich nach 170m zu einem weiteren Schacht brachte, der von 18 auf 24m hinabführte.Dahinter verflachte der Gang. 30m weiter kehrte ich um. Auf dem Rausweg genoss ich die durch den schmalen Ausgang fallenden Sonnenstrahlen u. den dahinter sichtbaren, mit Pflanzen u. einigen Fischen befüllten Quellteich. Irgendwie wollte ich gar nicht aus dem Wasser. Aber alles Schöne hat einmal ein Ende;-(
Als ich auftauchte, sah ich zuerst Anke mit einem älteren Pärchen, das auf irgendein halb verstecktes Schild wies. Oh je, ich vermutete mal „Tauchen verboten“ oder so! Die Leute beäugten mich beim Hinausklettern argwöhnisch, tauten aber dann auf, als wir ihnen mit Händen und Füßen erklärten, dass wir nichts von einem Tauchverbot gewußt hatten. Am Ende luden sie uns sogar ein zu einer Hausbesichtigung. Sehr edel und altertümlich, kann ich nur sagen;-)
(Die Höhle ist nach wie vor leider nicht betauchbar! Ein Jammer…)
Nach dem Abschied war noch Zeit für einen weiteren Tauchgang. Dafür kam nur die „Fontaine du Truffe“ in der Nähe in Frage. Sie ließ sich problemlos finden. Im Eingang behinderte mich eine Engstelle, die nur mit etwas Freiräumen passierbar wurde. Derweil trübte das Wasser durch sich zersetzendes Laub und Geäst stark ein. Hinter der Engstelle verbesserte sich die Sicht auf 7 – 8m. Ich tauchte entlang der 2 x 3 m großen Passage, nur unterbrochen von einem kleinen Schacht, bis zu einer Auftauchstelle 160 m hinter dem Eingang. Dort kehrte ich um. Die Höhle gefiel mir sehr! Und sie sollte sich zu einer meiner Lieblingshöhlen entwickeln, als ich einige Tage später nochmal mit Ulrich vorbeischaute. Da machten wir uns nämlich die Mühe, das Trockenstück zwischen S1 und S2 zu passieren. Und das sollte sich lohnen! Der zweite Siphon entpuppte sich als echte Augenweide mit Achterbahnprofil! Während wir uns in dem engen Gang fortbewegten, hatte ich das Gefühl, mich in einer ganz anderen Höhle zu befinden. Im Gegensatz zu S1 sind hier die Wände völlig zerfressen. Überall gibt es kleine Röhren, die ins Nirgendwo führen. Der Gang änderte ständig seine Richtung, teilweise mit 180°-Kehren. In der Auftauchstelle 160m weiter hielten wir ein kleines Schwätzchen. Auf dem Rückweg war die Sicht kaum schlechter, da es keine Sedimentablagerungen gab.
Nun wurde es Zeit für eine kleine Auszeit vom Tauchen. Ulrich fuhr zurück nach Toulouse und wir zwei begleiteten ihn. Anke mußte am nächsten Tag mit dem Zug die Heimreise antreten. Vorher besuchten wir noch die wunderschöne Altstadt u. schauten uns auch die „Cite de L´Espace“ an, eine großartige Raumfahrtausstellung nahe Toulouse.
Ich blieb einen weiteren Tag in der Stadt, um dann allein zurück ins Lot zu düsen. Die restlichen drei Tage vertrieb ich mir mit Tauchgängen in Lantouy und Ressel. Ulrich kam noch mal für ein Weekend runter, in dem wir noch drei gemeinsame tolle Tauchgänge in den Höhlen Oeil de Ladou, Font du Truffe und Gouffre de Poumayssen machten.
Die Letztgenannte sollte dann eher ein Strömungstauchgang werden. In den vergangenen Tagen hatte es sehr stark geregnet, was die Wasserspiegel fast aller Quellen drastisch ansteigen ließ. Am Ausfluss des Systems, dem großen Quellteich der Gouffre de Cabouy, kamen uns schon bei Eintreffen gewaltige Wassermassen entgegen! Als wir zwei Stunden später an den dort geparkten Wagen zurückkehrten, war der Wasserspiegel um wenigstens 20cm gestiegen!!!
In der Zwischenzeit spazierten wir mit Doppel-7 u. restlicher Ausrüstung zur 900 m entfernt gelegenen Öffnung und stiegen unter Seilsicherung hinein. Kaum die Nasenspitze in die riesige Hauptpassage gesteckt, hätte es uns fast Richtung Cabouy davongeblasen. Nach nur 15 Minuten hatten wir genug Nervenkitzel erlebt und wollten auch die ungeheuren Naturgewalten nicht länger herausfordern.
An diesem Tage trennten sich unsere Wege vorerst.
Meine letzte Nacht am Campground von St. Sulpice werde ich sicher auch nicht mehr vergessen;-)) Der Fluss war inzwischen deutlich angestiegen u. es fiel mir beim tosenden Lärm der vorbeiziehenden Wassermassen, der unangenehmen Feuchtigkeit, die in meine Sachen zog und dem Gedanken an fortgespülte Zeltplätze nicht wirklich leicht, ein Auge zuzutun.
Nach überstandener Nacht trat auch ich die Heimreise an.
Eine Anmerkung noch: Ich warne ausdrücklich vor Solotauchgängen in Höhlen! Die hier beschriebenen Erlebnisse geschahen
in teilweiser Unwissenheit ob der Gefahren!

Meine Einstellung dazu ist heut eine grundlegend andere!!!

Galerie