Frankreich 2000 (Teil 1)

Frankreich 2000 (Teil 1)

Es sollte der erste gemeinsame Trip mit Sebastian werden. Im Gegensatz zu mir hatte er bereits 1997 eine Höhlentauchausbildung in Mexico absolviert. Und der Auslöser für mein bis jetzt nicht abgeklungenes Höhlenfieber war mein Freund durch seine Erzählungen und Bilder!
Es dauerte eine Weile, ihn davon zu überzeugen, dass eine 1600km lange Reise hinunter nach Südfrankreich durchaus lohnenswert sei, denn Mexico´s UW-Welt lässt sich nunmal schwer toppen.
Um den 20. Mai herum starteten wir im Morgengrauen mit ca. 550kg Equipment Richtung Süden.
Unterwegs machten wir Halt in Esslingen bei unserem Freund Bernd Aspacher, der bereitwillig seinen kleinen Reisekompressor zur Verfügung stellte, da es unserem Wissen nach keine Füllstation im LOT gab?!
Irgendeine Lücke fand sich dann noch im Auto u. nach einem Käffchen ging´s rasch weiter.
Sebastian hatte unterwegs die großartige Idee, eine Abkürzung (Landstraße statt Autobahn) quer durch´s Land zu nehmen.
Das kostete uns mehrere Stunden, so dass wir erst gegen 4Uhr in der Früh am Zeltplatz in St. Sulpice ankamen;-( Egal. Zelt aufgebaut u. erstmal ausgeschlafen…
Da sich der Tag nun schon wieder dem Ende neigte, blieb für einen Aklimatisierungstauchgang die nur wenige Kilometer entfernte „RESSEL“ übrig. Voll freudiger Erwartung ging es zum Flüsschen Céle hinunter, dann flösselnd ein Stück im Fluss entlang bis an den Eingang. Ich erwartete nach den Erfahrungen vom letzten Jahr wenigstens 15m Sicht. Leider waren die Bedingungen dann nicht ganz so toll wie erhofft! Aufgrund schlechter Sicht fanden wir den Eingang im Flussbett nicht sofort. Als er dann zum Vorschein kam, veränderte sich an der schlechten Wasserqualität rein gar nichts! Beim Hineingleiten schwand die Hoffnung zusehends, einige Meter tiefer in der Höhle bessere Bedingungen vorzufinden. Sebastian schwamm vor mir her und doch waren nur seine Flossenspitzen erkennbar, obwohl er kaum mehr als 1m entfernt war. Nach gut 250m gab ich das Umkehrzeichen, denn es hatte wenig Sinn, weiterzutauchen. Zurück im Fluss mimte ich betretene Miene. Soviele angewandte Überredungskünste und dann das!!! Es sollte noch schlimmer kommen! Beim Ausziehen des Trocki´s hatte mein Freund plötzlich einen Teil seiner Halsmanschette an der Kopfhaube! Sie hatte sich regelrecht zersetzt (vermutlich durch Öl o. Benzin des Kompressors?!). Der Tag war gelaufen. Den Abend nutzten wir zur Reparatur des Trocki´s
Der kommende Tag sollte besser werden, versprach ich uns! Dafür dürfte die „Trou Madame“ herhalten.
An der Höhle trafen wir auf Martin Robson, seines Zeichens Cave Instructor, nebst 2 Schülern. Nach einem kurzen Talk schleppten wir unsere Doppel-10 durch´s Bachbett zum Eingang. Dann in die Anzüge, Geräte angelegt u. auf allen Vieren durch den flachen Eingang. Nach einer kurzen Verschnaufpause begannen unser erster richtig guter Tauchgang! Die Sichtverhältnisse waren auf den ersten 100m durchwachsen, da die Engländer bereits zu Ausbildungszwecken in der Höhle waren. Dann aber wurde es immer besser mit max. 20m Sicht! Nach 700m drehten wir um. Beim Rauskriechen zerlegte Sebastian das Testtube seiner Kabellampe, weil er es zu eilig hatte, aus dem Anzug zu kommen (wir besaßen leider noch keine P-Valves). Also der nächste Schock!
Unser Glück war, das Reinhard Buchaly gerade auf dem Zeltplatz eintraf, um in den kommenden Tagen einen Explorationstauchgang in der Ressel vorzubereiten. Er lieh meinen Partner für die folgenden Tage bereitwillig einen Lampenkopf! Und Martin spendierte ihm dann sogar einen neuen Tube!
Überhaupt sollte dieser Trip neben den Tauchgängen überaus interessant werden, denn einige Tage später kam einer der derzeit namhaftesten Höhlenforscher, Rick Stanton mit seinem Tauchpartner Jason Mallinson , auf dem Zeltplatz an. Sie hatten noch mehrere Freunde als Support dabei und planten ebenfalls einen Vorstoß in derselben Höhle. Der sollte dann gut 10 Tage später bei immer besser werdenden Bedingungen auch gelingen! Die beiden betauchten fast 1000m an Neuland!
Die Abende verbrachten wir nun oft mit sehr viel Fachsimpelei und spannenden Erzählungen von den Erlebnissen der Beteiligten. Reinhard gab uns ein paar gute Ansätze, wie wir unsere Konfiguration übersichtlicher und sicherer machen konnten, denn bis dato hatten wir nicht genug an Ausrüstung an uns dranhängen können;-)) Aber mehr heißt nicht auch gleichzeitig sicherer!
Dummerweise gab Bernd´s Kompressor beim ersten Füllversuch den Geist auf, aber Duncan, einer der frdl. Helfer Rick´s, gab uns den Tip, dass es in Gramat eine Füllanlage gäbe. Das war die Rettung, denn wir konnten nicht ständig bei Ralph Wilhelm, der auch in St. Sulpice verweilte, füllen.
Also ab nach Gramat und André Grimal aufgesucht, den Besitzer der Füllstation. Als er seine Garage öffnete, verschlug es uns fast die Sprache. Die Anlage war die Wucht!!! Auf dem Foto ist nur etwas mehr als die Hälfte zu sehen! André bietet alles an Gasen, was man sich wünscht! Luft, Nitrox und Trimix und Sauerstoff stehen zur Wahl.
In den nächsten zwei Wochen tingelten wir alle zwei bis 3 Tage dort vorbei, um unser´n Flaschenbestand aufzufüllen. Nebenbei war auch etwas Zeit, sich die schöne Altstadt einmal genauer anzusehen.
An Höhlen betauchten wir als nächstes Source de Landenouze (25m – 30m Sicht!),
Negativ in Erinnerung blieb unser Versuch, an die „Meyraguet“ zu gelangen. Ich hatte den grandiosen Einfall, dass unsere Scooter uns einfach den Fluss hinauf bis zum Eingang ziehen könnten! Leider war dieser auf den ersten 50m zu flach für einen Einsatz der Apollo´s und die Strömung doch etwas stärker, als vorher von uns eingeschätzt. Nach 100m gaben wir entkräftet und schweißgebadet auf.
Nachmittag´s ging´s zum Trost an die „Font du Truffe“. Sie bietet bei jeder Wetterlage exzellente Bedingungen! Diesmal wenigstens 40m Sicht!!!.
Einige Tage später suchten wir die „Oeil de la Doue“ auf. Zwischen uns und dem Eingang lag erst einmal ein 1000m langer, schmaler Pfad. Genau das richtige für die Doppel-7er mit Nasstauchanzug. Über das normal trocken liegende Bachbett entlang des Weges ergoss sich ein Bächlein mit klarem Wasser. Das versprach gute Bedingungen. Im letzten Jahr bot sich mir eine Maximalsicht von höchstens 3m! Dieses Jahr sollte es viel besser werden, was gleich beim Abtauchen zu erkennen war. Schätzungsweise 15m gab die Höhle uns im ersten Siphon. Nach 40m mußten wir aus dem Wasser. Hier beginnt eine wunderschön ausgewaschene Trockenpassage mit teilweise riesigen Strudelkolken am Boden, die einen bei Unachtsamkeit bis zum Bauchnabel verschlucken! Nach Überwindung dieses Abschnittes begann der eigentliche Tauchgang. Im zweiten Siphon schien das Wasser noch viel klarer zu sein. Ab hier ändert die Doue auch ihr Gesicht. Über dem kompletten Boden sind angeschüttete Sandmassen ähnlich einer Dünenlandschaft verteilt. Ich habe jedes Mal das Gefühl, über einer Wüste zu schweben! Etwa 250m später kam unser Umkehrpunkt.
Die Tage vergingen wie im Fluge, so dass es nach insgesamt 17 Tagen in diesem Gebiet bald hieß, Abschied von unseren neu gewonnenen Freunden zu nehmen;-(
Doch das sollte noch nicht das Ende unserer Reise sein! Es ging weiter nach Spanien, zum bekanntesten Höhlensystem des Landes, der Moraig

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