Stollensystem in Marmorbruch / Sachsen (Okt. 05)



(Hmm...beautiful)
Um Fragen über Ort und Namen des Bruches zuvorzukommen, muss gesagt sein, dass ich versprochen habe, diese vorerst nicht preiszugeben! Das System befindet sich derzeit noch in der Erforschung!!!

Interessant, was es doch so alles Höhlenartiges in Deutschland gibt! Meine Freunde aus Sachsen luden mich im Oktober ein, ein von ihnen recherchiertes Stollensystem zu betauchen! Da liess ich mich natürlich nicht lumpen und fuhr an einem Freitag Abend runter. Leider hatte ich so meine Probleme mit der Anfahrtsbeschreibung, was mein Eintreffen um ca. 1 1/2h auf 23 Uhr verlagerte. Hoffen aus Berlin, Olaf, Lutzemann und Peter Pan(itz) sassen da schon längst am wärmenden Lagerfeuer. Ich wurde nicht mehr sehr alt und legte mich im Bus schlafen.
Der nächste Morgen empfing uns mit viel Sonne! Nach einem selbstgemachten Frühstück begannen wir mit den Tauchvorbereitungen. Olaf und Lutz gaben mir Frischling eine kurze Einweisung.

(Unser kleines Camp)

Der Abstieg ans Ufer des kleinen Steinbruches über künstlich angelegte Steinstufen sollte dann nicht ohne sein, wie mein Tauchparter aus Berlin wenig später feststellen würde (Knöchel verknackst!). Ein kleiner Steg diente zum An- und Ablegen des restlichen Tauchgerödels. Hoffen hatte seinen kleinen Apollo-Scooter mitgebracht, der sich als sehr hilfreich erwies, denn bis zum Eingang lag ein gutes Stück Schwimmstrecke vor uns.

Das System beginnt in knapp 30m Tiefe mit einem sehr flachen, versilteten Eingang. Die Sicht im See war ziemlich mau mit höchstens 1m. Hoffen befestigte am Ufer über dem Stollen ein Reel und legte eine Führungsleine bis an den Eingang. Unterwegs passierte ich eine überhängende, glatt abfallende Felswand, welche in ca. 10m Tiefe beginnt.
Als alle sich gesammelt hatten, knotete Lutzemann eine Caveleine fest und begann, in den Stollen vorzudringen. Seine Flossenbewegungen setzten Lawinen von feinem, dunklen Sediment in Gang, die uns binnen weniger Sekunden jegliche Sicht nahmen. Sofort war jeder an der ausgelegten Leine und folgte ihr hinein ins Unbekannte. Ich, als Vorletzter tauchend, fragte mich, ob die Sicht jetzt den Rest des Tauchganges so bleiben würde?!;-((
Aber nach wenigen Metern vergrösserte sich die Passage. Meine Freunde warteten auf uns Nachzügler. Dann setzten wir den TG fort. Die Ganggrösse beträgt im Hauptgang 3 - 5m (B) x 6 - 8m (H), also sehr bequem. Auch die Sichtverhältnisse konnte man mit 5 -7m als ok bezeichnen.
Alle etwa 20m zweigten links und rechts des Weges Gänge ab. Was ich erst später erfuhr war, dass zwei Parallelgänge existieren, die von (während des Marmorabbaus) künstlich stehen gelassenen Pfeilern getrennt sind. Der Boden ist total verschlammt und das Gestein der Wände an mehreren Stellen sehr porös, wie ich bei einem der folgenden Tauchgänge feststellen musste.
Nach 90m endete der Gang. An dieser Stelle siltete es recht schnell wieder ein, wenn wir uns zu lange dort aufhielten. Lutzemann befestigte sein Reel an einem Felsblock und gab das Zeichen zur Umkehr. Die Sicht hatte sich im Gang durch von der Decke gelöste Sedimentteilchen ein wenig verschlechtert. Im Ausgang hatte es ein wenig aufgeklart mit nun 20 - 30cm. Nach 45 Minuten tauchte ich im See auf und diskutierte erst einmal mit Hoffen über das eben Erlebte. Sein Scooter zog uns zurück an den Steg.
Nach einem entspannten Mittagsmahl zog es mich wieder ins Wasser zurück.


(v. l. n. r.: Hoffen, Lutzemann, Krollinger, Peter Pan)
Gemeinsam mit Hoffen hatte ich den Plan, eine Hauptleine in der Passage anzubringen. Da es so gut wie keine Befestigungsmöglichkeiten an den recht glatten Marmorwänden gab, hatte mein Freund eine Spitsetzer mitgebracht, der mittels Hammerschlag Anker in den Fels treiben kann. Unten am Eingang hatte die Sicht sich verbessert (etwas rötlich noch) und die Engstelle an Maßen zugenommen, da unsere Flossen viel Sediment davongewedelt hatten. Das Hineintauchen gelang ohne Aufwirbelungen. Kurz hinter dem Eingang holte Hoffen sein Werkzeug heraus und begann, einen Spit zu setzen. Ich assistierte ihm mit Ausleuchtenund Reichen von Material. Der Fels wehrte sich und liess uns ein ganzes Weilchen schwitzen, bis der Anker endlich griff. Zum Schluss drehte mein Freund ein lange Schraube in das herausguckende Gewinde und wickelte die zuvor ausgelegte Leine daran fest. Die Anstrengung genügte für den Anfang.

Abends grillten wir dann gemütlich mit dem inzwischen zu uns gestossenen "Meeshda". Um uns herum wurde es deutlich frischer bei sternenklarer Nacht.

Am Sonntag Morgen weckte mich mein Tatendrang recht früh. Hoffen war auch gerade aufgestanden und köchelte bereits an etwas Warmem herum.

Ich wollte zwei weitere TG machen, bevor es an den Heimweg ging. So verging auch nicht viel Zeit, bis ich erneut mit Wasser in Berührung kam. Bewaffnet mit Doppel-12 und Stage ging es wieder ins System. Die Sicht hatte sich zum Vortag deutlich verschlechtert und nahm einen milchigen Touch an. Ein weiterer Befestigungspunkt wurde auserkoren und diesmal durfte ich Hand anlegen. Leider erwies die Stelle sich als extrem brüchig und kostete uns neben einem Spit auch einige Nerven und Kraftausdrücke;-((( Aufgrund des erheblich höheren Gasverbrauchs und eines nicht vom Spitsetzer abgehenden Spits (Zange vergessen) beendete ich die Aktivitäten.
Beim letzten TG klappte es besser, sodass wir gemeinsam noch zwei Ankerpunkte setzen konnten.
Olaf und Lutzemann hatten in der Zwischenzeit einen weiteren Eingang eines flacher gelegenen Systems erkundet, waren aber nicht eingedrungen,da für Doppel-12 zu schmal ausgelegt.

Auf jeden Fall machte das Weekend mir deutlich, dass es zu Trainingszwecken in der näheren Umgebung meines Wohnsitzes bessere Möglichkeiten gibt als bisher angenommen. Bin bald wieder da...